Rosch HaShana - Yom T'ruah
| Von HPE @ 15:40 | [ Feasts - Feste ] |
Autor: Hans Peter Ehrsam - Schmiedgasse 40a -CH-9100 Herisau
Im Gegensatz zu den anderen wichtigen jüdischen Festen sind die 'Hohen Feiertage', 'Furchtbaren Tage', 'Gewaltigen Tage' oder 'Tage der Ehrfurcht' - Rosch Ha-Schana (Neujahrsfest) und Jom Kippur (der Versöhnungstag) - nicht mit historischen Ereignissen verknüpft. Auch sind es keine fröhlichen Feste. Die 'Furchtbaren Tage', wie sie genannt wurden, sind rein religiöse Feste, die Gottes Rolle als Richter des Universums feiern. Sie heben nachdrücklich die Begriffe der Moral, der Gewissenserforschung, des Spirituellen und der Heiligkeit in den Vordergrund. Der eigentliche Festtag wäre der Yom T’ruah (Tag des Shofarblasens) der durch das Neujahrsfest aber verdrängt, bzw. ersetzt worden ist.
In Wirklichkeit stellen die 'Furchtbaren Tage' mehr als nur die zehn Tage zwischen Neujahrsfest und Jom Kippur dar. Sie beginnen bereits einen ganzen Monat vor Neujahr mit dem Anfang des Monats Elul." [Kolatch, S. 257]. Der Monat Elul ist der letzte Monat des jüdischen Jahres.
Die 10 Tage vom Posaunenfest bis zum Yom Kippur (Versöhnungstag) gelten gemäss jüdischer Tradition als letze Frist zur Umkehr, bevor HaSchem seine Bücher schliessen wird. Dies steht zwar so nicht in der Schrift, doch sitmmt diese Auffassung mit dem prophetischen Sinn des Posaunenfestes überein. So sind die Endzeitgerichte gleichzeitig Gottes letzter Ruf zu Busse und Umkehr. Bibelstellen: Am ersten Tage des siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten, da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten, denn es ist euer Posaunentag (Lesung: 4. Moshe 29, das ganze Kapitel).
Prophetische Bedeutung: - Tag JAHWEHS; - Beginn der Endzeitgerichte (Posaunengerichte); -ein finsterer Tag, ein Tag des Gerichts; - findet am Neumond statt, wenn es finster ist und man den Mond kaum sieht (Wacht und betet, denn ihr wist nicht, wann euer Herr kommt); - Auferstehung der verstorbenen Auserwählten; Entrückung, beim Schall der letzten Posaune.
In der Synagoge ist jeder Sabbat vor Neumond ein besonderer Sabbat. Doch der Sabbat vor dem Neumond von Elul ist etwas ganz Besonderes, weil von diesem Tag an jeden Morgen bei der Andacht in der Synagoge der Schofar geblasen wird, was die Juden daran erinnern soll, daß die gewaltigsten Tage im jüdischen Kalender näherrücken." [Kolatch, S. 257]
Am dritten Tag, als es Morgen geworden, brachen Donner los und Blitze zuckten, Gewitterwolken hingen über dem Berg und überaus stark schmetternder Schofarschall war zu hören. Das ganze Volk im Lager bebte (Exodus 19, 16).
Hier und im Kiddusch wird das Fest als Yom HaSikaron, als Tag des Gedenkens, geheiligt. Es ist das Gedenken im äußersten Sinn, die Besinnung auf Gott und uns selbst, die große Rechenschaft, die an diesem Abend beginnt. Rosch Ha-Schana heißt wörtlich: Haupt des Jahres; am Rosch Ha-Schana ist die Welt erschaffen worden, und jedes Jahr wird sie in den Menschen wiedererschaffen, indem ihre Seelen in Umkehr und Rechenschaft, in Gericht und Gnade sich erneuern.
Man trägt nichts Buntes an diesen Tagen, und im Gotteshaus herrscht die weiße Farbe vor. Der Vorhang der Lade ist weiß, meist mit goldenen Buchstaben bestickt, die Decken auf Pult und Kanzel sind weiß, und weiß ist der Kittel des Vorbeters, das Sterbekleid, das er schon am Rosch Ha-Schana trägt. In allen Dingen kommt die Macht und Größe dieser Tage zum Ausdruck. Während man sonst die Schmone Esre [Amida] kaum zu flüstern wagt, weil, wie es in der Kabbala heißt, sonst nur die gebetsempfangenden Engel sie hören dürfen, spricht man sie am Rosch Ha-Schana fast laut und dringlich, wie wenn nun nichts Fremdes sie hören und stören, jeder Laut und Gedanke sie und ihre Bitten nur mitbeten und verstärken könnte.
Am ersten Abend jedoch nach dem Kiddusch wünscht man einander": [Hirsch, S. 148]
Möge dir (euch) ein gutes Jahr eingeschrieben werden!
Ein guter Eintrag! [in das Buch des Lebens]
Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott; du regierst die Welt. Du hast uns am Leben erhalten und bewahrt. Und nun hast du uns diese Zeit erreichen lassen.
(Baruch ata JAHWEH eloheinu, melech HaOlam, Schehechejanu vekijmanu vehiggianu lazman hasse)
Denn die jüdische Vorstellung geht davon aus, daß an den 'erhabenen Tagen' vom 1. bis zum 10. Tischri das göttliche Gericht über uns tagt: Auf dem Richtertisch vor Gottes Thron wird das Buch des Lebens aufgeschlagen, worin das Schicksal jedes Menschen für das beginnende Jahr eingetragen wird. An den zehn Tagen des Gerichts 'zittern selbst die Fische im Wasser'. Am Versöhnungstag wird dann die Entscheidung getroffen, das Buch verschlossen und versiegelt.
Zu Hause nach dem Kiddusch nimmt der Hausherr einen süßen Apfel, macht die Bracha [Segensspruch] darüber, ißt und gibt auch den anderen davon. Darauf ißt man ein weiteres Stück Apfel, das zuvor in Honig getunkt ist, und bittet Gott, es möge ihm wohl gefallen, uns ein gutes und süßes Jahr zu bescheren. Und mit der Bedeutung, die man dem Wort Rosch Ha-Schana, Jahres-Haupt, beimißt, verbindet sich auch der Brauch, am ersten Abend vom Kopf eines Fisches oder Hammels zu essen; es möge Gott wohl gefallen, daß uns ein Anfang - Rosch - kein Ende sei. Am zweiten Abend ißt man von Früchten, die man in diesem Sommer noch nicht genossen hat, um die Bracha über alles Neue noch einmal sprechen zu können. Denn alles Neue ziemt uns mit dem neuen Jahr, das man auch im Kiddusch schon mit dem gleichen Segen geweiht hat." [Hirsch, S. 148f.]
Auf dem Tisch darf auch ein Schüsselchen mit Honig nicht fehlen, denn an diesem Abend taucht man die Challa nicht in Salz wie sonst, sondern in Honig. Nach dem Genuß der Challa taucht man auch ein Stückchen süßen Apfel in den Honig und betet dabei um ein gutes und süßes Jahr. Die beliebteste Nachspeise sind am Neujahrsfest Honigkuchen [Lekach].
Oft wird auch eine süße Speise aus Möhren, Zimmes, gereicht, unter anderem auch deshalb weil Möhren auf jiddisch Meren heißen, was auch wachsen, zunehmen (mehren) bedeutet. So versinnbildlichen die Zimmes den Wunsch, unsere Vorzüge und Verdienste mögen im kommenden Jahr unsre Mängel überwiegen.
Von Sünden hat man sich beharrlich fernzuhalten, deshalb ißt man zu Neujahr keine Nüsse. Das hebräische Wort für Nuß, Egos hat nämlich denselben numerischen Wert wie das Wort Chet, Sünde." [Dolezalová, S. 62]
"Weihe, Glück, Ehrfurcht, Furcht und Hingabe an das Überwältigende, dies alles enthält die Rosch Ha-Schana-Stimmung; wie 'um das Glück nicht zu verschlafen' und zugleich auch, um selbst im Traum keine Sünde zu begehen, bleiben viele Fromme die erste Nacht des neuen Jahres wach. Am Morgen aber beginnt ein Gottesdienst von solcher Wucht und Fülle der Gebete, von solcher Großartigkeit und Vielgestalt religiöser Vorstellungen, wie er nur den Tagen äußerster Not und Selbsteinsetzung vorbehalten sein kann, und den Höhepunkt bildet das Schofarblasen." [Hirsch, S. 149]
"So setzt man sich auch heute freudig an den gedeckten Tisch in der Hoffnung auf ein gutes Jahr. Die Neujahrschalla ist rund, damit uns im neuen Jahr alles gelingen möge und es an nichts fehlt. Oft wird sie mit Leitern oder Vögelchen aus Teig verziert, weil unsere Gebete zum Herrn in den Himmel aufsteigen sollen.
Hier hört man das Schofar:













