
Die 4 Phasen des Vergebens
- Phase: Das Verletzt werden
- Phase: Hass zulassen
- Phase: Heilungsphase
- Phase: Das Zusammenkommen
Das Verletzt werden
Wir werden in unserem Leben permanent verletzt, ob wir dies zugestehen oder nicht. Jede Verletzung verursacht SCHMERZ.
1.1. Persönlicher Schmerz
Wir können nur Menschen vergeben; der Natur können wir nicht vergeben, obwohl auch sie uns oft verletzt:
- Bessere oder schlechtere Gesundheit
- Besseres oder schlechteres Umfeld
- Bessere oder schlechtere Intelligenz etc.
1.2. Unberechtigter Schmerz
Es schmerzt wenn wir Geld verlieren; es schmerzt ebenfalls wenn wir auf der Strasse überfallen oder bestohlen werden. Es besteht aber ein großer moralischer Unterschied, zwischen dem was wir auf faire Weise verlieren, und dem, was wir aufgrund der Ungerechtigkeit und Gewalt anderer erleiden müssen!
(Beispiel des Betruges von Paul Freiburghaus an Hans Peter).
1.3. Arten des Verletzt werden
Menschen verletzen uns, weil sie glauben, dass wir es verdient haben.
z.B.: Lee Harvey Oswald als er J.F. Kennedy umbrachte. Judas Ischariot als er Jesus verriet etc.
Menschen verletzen uns zwanghaft
Jedes zwanghafte Verhalten resultiert aus einem früheren Missbrauch bei dem er das Opfer war und wenn es nicht zur Aufarbeitung kam, wird er später zum Täter mit dem gleichen Verhalten. Nach Janet Howden (Geistsorge nach Dr. Burk) nimmt derjenige der missbraucht wurde die Charaktereigenschaften seines Täters an um zu überleben. Jeder der Übergriffe erlebt hat (z.B.: Sexuelle in der Pubertät) macht später selbst Übergriffe bei seinem Nächsten. Das Opfer ist nie nur Opfer allein, sondern wird immer auch zum Täter.
Menschen verletzen uns, wenn ihre Probleme überschwappen
Hans Peter lebte in einer unglücklichen Ehe und hatte allen Grund, ausbrechen zu wollen. Er wollte auf keinen Fall seinen Kindern Schaden zufügen. Aber seine beiden kleinen Kinder, Patrick und Oliver, litten unter den Auswirkungen des Zornes von mir. Das hatten sie nicht verdient. So sicher, wie sie verletzt wurden, wurde ihnen auch Unrecht zugefügt.
Menschen verletzen uns mit guten Absichten
(Beispiel des selbstlosen Chirurgen mit Spital in Burundi, der sich wegen eines Fehlinvestition am Ende erschoss und seinen Kindern damit ein großes Unrecht zufügte).
Menschen verletzen uns durch ihre Fehler
(Arzt mit falschem Verhalten, falscher Diagnose. Apotheker mit falschem Medikament, oder Verkehrsunfall von Brigitta).
Tiefe Schmerzen
Die dritte Dimension eines Schmerzes, der durch Vergebung zu bewältigen ist, ist seine Tiefe. Verletzungen, die das Vergeben notwendig machen, sind tiefe Verletzungen. Wenn wir hier von Tiefe reden, so ist dies kein definiertes Maß, da jeder einen Schmerz anders empfindet. Wir können aber davon ausgehen, dass einige grobe Unterschiede bestehen zwischen oberflächlichen Wunden, die wir ertragen können, und den tieferen Verletzungen, de uns von dem trennen, der uns verletzt hat.
Die verschiedenen Arten von Schmerzen
Ärgernisse: Eine Frau/Mann die sich vordrängt an einer Migros-Kasse
Kränkungen: Ein Professor den ich schon einige male sah, mit ihm sogar einen Workshop organisierte und mich später aber nicht mehr kannte.
Enttäuschungen: Unsere Kinder enttäuschen uns, weil sie z.B.: keine akademische Laufbahn einschlagen wollen, oder keinen Militärdienst leisten wollen.
Den zweiten Platz belegen: Wenn z.B.: ein anderer die Stelle bekommt von der ich glaubte, dass sie mir gegeben würde.
Illoyalität: Ich verhalte mich illoyal, wenn ich einem Menschen gehöre, aber ihn dennoch wie einen Fremden behandle. Dieses Verhalten bezieht sich auch auf Gruppen von Menschen in denen wir aneinander gebunden sind (z.B.: ICCC); wir haben uns das Versprechen gegeben, uns gegenseitig zu unterstützen. Die Versprechen die wir einander geben, sind die Basis für das Vertrauen, das wir zueinander haben. Wer ein Loyalitätsversprechen bricht, zerschlägt die Beziehung! Wir können die Beziehung erst dann wie gewohnt fortsetzen, wenn das begangene Unrecht aus der Welt geschafft worden ist.
Die Wunde geht zu tief, als dass wir so weiter machen könnten, als wäre nichts geschehen!!!
Illoyalität ist nicht annehmbar, sie ist anstößig. Entweder wir müssen uns trennen und die Verletzung allein ertragen oder wir müssen der Peron vergeben, die uns die Treue gebrochen hat.
Verrat
Ziehen wir die Schraube noch etwas fester an, dann wird aus Illoyalität Verrat. Petrus verhielt sich Jesus gegenüber illoyal, als er es bestritt, IHN überhaupt zu kennen. Judas hingegen übte an Jesus Verrat, als er IHN um 30 Silberstücke an seine Feinde auslieferte. Ein Vater der seine eigene Tochter verführt, erweist sich ganz gewiss als Verräter. Julius Cäsar hatte seinen Brutus, seinen Busenfreund, der sich gegen ihn wandte und ihn umbrachte (auch du Brutus!).
Brutalität
Das wohl schlimmste Beispiel ist dasjenige einer Vergewaltigung. Eine Frau wird in eine Parkhaus von einem Fremden vergewaltigt. Sie ist bis ins Mark erschüttert. Sie kennt seinen Namen nicht. Sie hat nur seine Gewalt verspürt. Aber für sie kann er nicht länger nur ein Fremder sein. Er hat sich an ihr vergangen und ist dadurch zu ihrem persönlichen Feind geworden; und weil sie durch einen Gewaltakt aneinandergebunden sind, erlebt sie Hass und Entfremdung.
- Phase: Hass zulassen
Hass ist ein Tiger, der in der Seele brüllt. Hass ist die natürliche Reaktion auf jeden tiefen, unberechtigten Schmerz. Hass empfinden wir instinktiv für jeden, der uns eine Verletzung zufügt.
Aber was ist das für ein Gefühl, das sich unser bemächtigt, wenn wir einen anderen Menschen hassen – insbesondere wenn wir jemanden hassen, den wir früher geliebt haben oder jetzt noch lieben? Es gibt passiven und aggressiven Hass. Wenn ihr Hass passiv ist, verlieren sie den von Liebe bestimmten Drang zum Segnen! Aggressiver Hass ist es dann, wenn ich von meinem Feind denke, er möge auf der Stelle tot umfallen. Wir wünschen ihm von Herzen Böses. Wir sind angriffslustig. Dies ist aggressiver Hass. Hass spaltet manchmal auch unsere eigene Seele. Der eine Teil möchte lieben, der andere Teil aber hasst. Hass aber bedarf der Heilung. Hass ist immer bösartig. Wir dürfen aber Hass nicht mit Zorn verwechseln. Ein gesunder Zorn, so wie ihn Jesus im Tempel auslebte, treibt uns dazu an, etwas zu tun, damit die Quelle des Zornes beseitigt wird. Jesus trieb die Händler aus dem Tempel uns sagte: Mein Haus soll ein Bethaus sein und kein „Kaufladen.“
Wir hassen nicht nur das Böse, sondern Menschen
Der Hass, der sich gegen einen Menschen richtet, ist schmerzhaft, ungesund und Kräfte raubend. Niemand gibt gerne zu, dass er einen anderen Menschen hasst. Wer es dennoch tut, kommt sich gemein und gehässig vor. Wir verstecken uns vor uns selbst. Darum leugnen, verbergen und unterdrücken wir den echten Hass, der in unserer Seele gärt. Dennoch hassen wir andere Menschen. Nur ein verklärter Heiliger oder ein gefühlloser Trottel könnte durch Leben gehen, ohne irgendwann irgendjemanden zu hassen, zumindest mit passivem Hass – und gelegentlich mit der aufbrausenden Kampfeslust böswilliger Aggressivität.
Wir täuschen inneren Frieden vor, während Furien in uns toben – unter der Oberfläche, versteht sich. Wenn wir unseren Hass eingestehen, sind wir gezwungen, uns für das heilende Wunder des Vergebens zu entscheiden.
Personen die wir lieben werden zur Zielscheibe unseres Hasses
Wir hassen normalerweise keine Fremden. Auf Fremde werden wir nur böse (Beispiel eines Schiedsrichters beim Fußballspiel oder eines Betrunkenen beim Spiel).
Wir hassen Personen die wir für schuldig halten
Wenn wir eine Person hassen, dann halten wir sie für schuldig, uns Wunden ersten Grades zugefügt zu haben. Wenn wir eine Person die uns vorsätzlich verletzt hat, nicht hassten, würden Himmel und Erde ins Wanken geraten. Von allen Ausprägungen des Hasses ist der heilige Hass am schwersten zu kurieren. Je länger unser Hass andauert, desto schwieriger wird es, uns zu heilen.
Zusammenfassung des Bühnenstückes: „Der schwarze Engel“ (Michael Christopher)
Ein deutscher General, namens Engel wird anlässlich des Nürnberger Tribunals zu 30 Jahren Zuchthaus verurteilt wegen den von seinen Truppen begangenen Gräueltaten an der französischen Bevölkerung. Nach den 30 Jahren kommt er frei und baut sich ein Holzhaus im Elsass in dem er den Rest seines Lebens mit seiner Frau im Frieden verbringen will. Was er nicht weiß ist die Tatsache, dass es bei einem der Maßacker ein Überlebender einer Familie Morrieaux gibt, der als Journalist tätig ist und nur darauf wartet, dass Engel frei gelassen wird. Während den ganzen 30 Jahren hat er seinen Hass in seiner Seele kultiviert, d.h. am Leben erhalten. Er beschließt zusammen mit den Einwohnern des Nachbardorfes, Engel mit seiner Frau zu erschießen. Bevor er aber dies tut, will er mit ihm noch reden um für seine Geschichte authentisches Material zu erhalten. Aber Engels Menschlichkeit und Schwäche bringen Morrieaux durcheinander. Es steigen Zweifel in ihm auf, seine Rachgier lässt nach und sein Hass kühlt ab. Am Ende des Nachmittags erzählt Morrieaux Engel was er geplant hat und bietet Engel an ihn zu retten. Aber auch bei Engel kommen Gedanken einer anderen Art. Er hält inne und sagt zu Morrieaux: Ich werde mitkommen unter einer Bedingung.“ Wie? Ist er von Sinnen, denkt Morrieaux. Ich biete ihm die Rettung und er stellt Bedingungen. Was für eine Bedingung? „Dass sie mir VERGEBEN.“ Morrieaux war nicht bereit Engel zu vergeben. Warum fand Morrieaux es schwieriger ihm zu vergeben, als ihm das Leben zu retten? Ich denke, es ist deshalb für Morrieaux zu viel, weil sein Hass zu einer Leidenschaft geworden ist, die schon zu lange in seiner Seele schwelt. Morrieaux kann ohne diesen Hass nicht mehr leben, nicht mehr die Person sein, die er ist.
Aber ganz gleich, ob es sich bei unserem Hass um eine Krebsgeschwulst handelt, die todbringend in unserer Seele wuchert, oder nur um ein lästiges Sodbrennen, er wird uns auf jeden Fall Schmerzen bereiten, solange wir nicht das richtige Heilmittel anwenden. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, wird uns der Hass umbringen!
- Phase: Wir werden wieder heil
Nachdem wir in unserer Reise nun verstanden haben, dass Hass etwas natürliches ist und zu uns Menschen gehört, wollen wir sehen, wie wir wieder heil werden können. Wir lösen unsere Gedanken von der Person die uns verletzt hat und der vergeben werden muss. Wir heften unseren Blick einzig allein den Verwundeten, der vergibt. Wenn wir einer Person vergeben die uns verletzt hat, so nehmen wir an unserer Seele eine geistliche Operation vor. Wir schneiden das Unrecht, das uns zugefügt worden ist, heraus, damit wir unserem „Feind“ mit dem Blick betrachten können, der unsere Seele zu heilen vermag. Löse die die Person von der Verletzung und lasse sie los – wie ein Kind, das die Faust öffnet, um einen Schmetterling, den es gefangen hat, wieder freizulassen.
Lade als nächstes die Person ein, von neuem in dein Herz zu kommen – so, als würde ein Stück Geschichte, das sich zwischen dir und ihr abgespielt hat, neu geschrieben und seine Herrschaft über unser Gedächtnis gebrochen.
Wenn wir unseren Feinden vergeben und die Wahrheit über sie erfahren, verändern sich unsere Gefühle ihnen gegenüber. Das Vergeben besteht also in der neuen Sichtweise und den neuen Gefühlen, die dem geschenkt werden, der vergibt.
Wenn wir nicht in der Lage sind, andere von dem Unrecht, das sie begangen haben, zu lösen und sie als die bedürftigen Menschen zu sehen, die sie in Wirklichkeit sind, machen wir uns zu Sklaven unserer eigenen schmerzlichen Vergangenheit und binden uns dadurch an die Vergangenheit, so dass auch die Zukunft von unserem Hass bestimmt werden wird.
Wir hab en mit dem Vergeben angefangen, wenn wir beim Gedanken an die Menschen, die uns böses zugefügt haben, die Kraft verspüren, sie zu segnen und ihnen gutes zu wünschen.
Wir haben dann begonnen, die Menschen, die uns verletzt haben, von dem Fluch, den sie durch ihre böse Tat auf sich luden, zu lösen. Nach Ansicht des Theologen Paul Tillichs geschieht Vergeben erst da, wo Menschen sich in gegenseitiger Akzeptanz erneut zu einer engen Beziehung zusammenfinden.
Gehen wir nun also zur nächsten Phase, zum Neubeginn – zu dem Ort, wo wir, die Getrennten, wieder zusammenkommen.
- Wir kommen zusammen
Definition der Vergebung gemäß dem Theologen H.R. McIntosh:
„Vergebung ist der aktive Vorgang im Geist und Gemüt eines ungerecht Behandelten, mittels dessen er ein moralisches Hindernis für die Gemeinschaft mit dem Missetäter beseitigt und die Freiheit und das Glück der Freundschaft wieder herstellt.“
Dieses Hindernis, das uns davon abhält, nicht bloß räumlich, sondern auch im Geist zusammenzukommen, geht auf ein Unrecht zurück, das uns angetan worden ist. Wenn wir das „moralische Hindernis“ ignorieren, als wäre es in Wirklichkeit belanglos, tun wir den ersten Schritt in ein stumpfsinniges Leben hinein, in dem letzten Endes jedem alles egal ist.
Voraussetzungen für ein wieder zusammenkommen
Es braucht von beiden Seiten Wahrhaftigkeit. Ohne Wahrhaftigkeit ist eine Aussöhnung ein Betrug, jegliches Zusammenkommen ein Irrtum. Was versteht man unter Wahrhaftigkeit? Wahrhaftigkeit ist eine Geistesverfassung. Sie hat mit unseren wahren Absichten zu tun. Wir müssen gewillt sein, unsere Worte so zu wählen, dass sie unseren Absichten entsprechen. Die Empfindungen unserer Herzen müssen in allem was wir sagen, mitschwingen. Die Botschaft, die wir nach außen hin vermitteln, muss mit unseren Gefühlen, die wir in unserem Inneren hegen, harmonieren.
Um es noch präziser zu formulieren: Von einem Menschen, der uns verletzt hat, müssen wir verlangen, dass er sich aufrichtig der Realität stellt – der Realität des vorangegangenen Streites, des Schmerzes, den wir empfanden, und seiner eigenen Verantwortung für beides.
Als erstes muss er die Realität dessen begreifen, was er ihnen angetan hat.
Er muss einsehen, dass der Schmerz, den er dir zugefügt hat, unberechtigt war. Die Sache ist aber die: Sie empfanden die Verletzung als so tief, dass sie den, der sie ihnen zufügte, nicht mehr wie früher an sich heranlassen und ihr Herz nicht mehr mit ihm teilen konnten. Wir dürfen nicht damit rechnen, dass er uns in jeder Hinsicht zustimmt. Aber wenn es um den eigentlichen Kernpunkt unseres traurigen Streites geht, muss er bei der Wahrheit bleiben und wir müssen die Überzeugung haben, dass er bei der Wahrheit geblieben ist, ehe wir ihn neu in unser Leben eintreten lassen.
Er muss auch im Blick auf unsere Gefühle aufrichtig sein.
Um im Blick auf ihre Gefühle aufrichtig zu sein, muss er ihren Schmerz mitempfinden; er muss selbst den Schmerz empfinden, den er ihnen zugefügt hat.
Er muss ihnen aufrichtig zuhören
Er muss ihnen so lange zuhören, bis er ihre Forderungen, ihre Klagen und ihre Bitten wirklich hört. Er wird unsere Botschaft zunächst durch das Sieb seiner eigenen Wünsche und Ängste rühren. Er wird jede Silbe, die wir sprechen, so lange ummodeln wollen, bis sie zu der Botschaft passt, die er von uns hören möchte. Darum müssen wir darauf achten, dass er uns lange genug zuhört.
Er sollte aufrichtig sein, was ihre beiderseitige Zukunft anbelangt
Derjenige der uns das Unrecht zugefügt hat, muss mit dem Versprechen zu uns zurückkehren, das er uns nicht wieder verletzen wird; und wir müssen überzeugt sein, dass er vorhat, das abgegebenen Versprechen auch einzuhalten.
Er sollte versprechen in Zukunft für sie da zu sein, wenn wir ihn brauchen, das heißt, auf eine Weise da zu sein, die dem Wesen der Beziehung, die zwischen uns besteht, entspricht. Viel mehr sollten wir nicht verlangen, aber auch nicht weniger.
Was sind die realistischen Grenzen eines Zusammenkommens?
Unser Zusammenkommen findet innerhalb der unerbittlichen Grenzen unserer Zeit und unserer Umstände statt. Die Zeit wirkt auf unsere Versöhnungsbemühungen ein und mit einer Gewalt, der nicht einmal das Wunder der freien Vergebung etwas entgegenzusetzen vermag. Wir können die Zeit nicht zurück drehen.
Wir müssen genügende Realismus aufbringen um uns die Frage zu stellen: Was ist seit dem Zerwürfnis in jedem von uns passiert?
Die hohe Kunst der Liebe praktizieren wir stets innerhalb des durch Zeit und Ort gesteckten Rahmens. Wir heilen zwar die Wunden unserer schmerzerfüllten Vergangenheit, aber wegen der Zeit die dazwischen liegt, sind der Heilung Grenzen gesetzt. Wir erleben unseren Neubeginn nicht an dem Punkt, an dem wir waren, als unsere Verletzung geschah, sondern dort, wo wir uns jetzt befinden. Unser Neubeginn findet im Halbdunkel statt, Es wird uns vermutlich nie ganz einleuchten, weshalb wir verletzt wurden. Aber vergeben heißt nicht unbedingt verstehen. Das Verstehen, wenn auch nur bruchstückhaft, kann später kommen – hier eine Einsicht, dort ein Einblick -, aber erst nachdem wir vergeben haben. Wir verlangen zuviel, wenn wir gleich von vornherein alles verstehen wollten.