Die Suche eines Juden
Ich wurde in eine jüdisch-orthodoxe Familie hineingeboren. Wir lebten in Litauen. Meine ganze Kindheit hindurch wurde ich im jüdischen Glauben erzogen. Bei uns zu Hause hielten wir alle biblischen und traditionellen Feiertage. Das Essen auf unserem Tisch war koscher, den Sabbat hielten wir sehr streng. Soweit ich zurückdenken kann, hat mein Vater mich immer mit in die Synagoge genommen. Zudem rezitierten wir oft ganz bestimmte Gebete. Ich durchlebte beide Weltkriege. Im ersten Weltkrieg wurden viele Juden, die in Litauen und den baltischen Staaten wohnten, nach Russland umgesiedelt. Meine Familie musste auch an diesem erzwungenen Exodus teilnehmen. Es blieben uns nur wenige Tage der Vorbereitung. Als Gepäck durfte nicht mehr als eine Pferdekutsche voll zum nächsten Bahnhof mitgenommen werden. Von dort aus waren wir wochenlang unter schwierigsten Bedingungen in Güterzügen unterwegs. Einige Zeit später starben während der Russischen Revolution viele Juden an den Folgen der Kälte, des Hungers und an Krankheiten. Andere wurden wegen ihrer politischen Anschauung zum Tode am Galgen verurteilt. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte ich schließlich nach Litauen zurück, um einen Neuanfang zu wagen.
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