Interview mit Brigadier Marcel Fantoni
| Von HPE @ 10:10 | [ Schweiz aktuell ] |
Brigadier Marcel Fantoni: «Das Gebet gibt mir Kraft und Gelassenheit»
Der Glaube an Gott schenkt Gelassenheit und erleichtert die Führungsaufgabe. Das stellt Brigadier Marcel Fantoni fest. Der neue Stabschef Operative Schulung ist überzeugt, dass Gott auch über der Schweizer Armee wacht.
ideaSpektrum: Bundesrat Ueli Maurer sagte nach seiner Wahl, er wolle die «beste Armee der Welt». Was haben Sie sich bei dieser Aussage gedacht?
Marcel Fantoni: Ich hatte Freude. Das ist eine klare Ausrichtung und schafft Vertrauen. Die beste Armee fängt im Kopf an. Das müssen wir wollen. Und die beste Armee sind die Leute, die in dieser Armee dienen.
Oft war in den letzten Monaten von gravierenden Führungsproblemen in der Armee die Rede. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Wenn im letzten Jahr zuerst der Chef Luftwaffe und dann der Armeechef zurücktreten und nicht ersetzt werden, entsteht ein Vakuum. Das schafft Verunsicherung. Hier besteht Handlungsbedarf. Das zweite sind die Verunsicherungen in der Laufbahn von Bundesrat Samuel Schmid. Die Kritiker meinten ihn, kritisierten aber die Armee. Doch eigentliche Führungsfehler hätte ich nicht feststellen können. Wir haben unsere Aufgaben Tag für Tag erfüllt.
Die Fussball-Euro 08 hätte ohne Armee kaum stattfinden können, wir haben an der Grenze ausgeholfen, Botschaften bewacht - all das haben wir gut gemacht. Dass in einem grossen Unternehmen auch einmal ein Fehler passiert, ist klar. Aber den korrigiert man.
Wie haben Sie das Drama um den zurückgetretenen Armeechef Roland Nef erlebt?
Ich kenne ihn seit langem und gut. Er war 2001 in den Generalstabsschulen als Oberstleutnant mein Stellvertreter. Er hat die Armee in den sechs Monaten seines Wirkens hervorragend geführt. Von den menschlichen Problemen weiss ich nur aus der Zeitung. Von daher gabs offensichtlich nur den Weg des Rücktritts. Es tut mir leid, dass er so gescheitert ist.
Wo muss die Ausbildung der militärischen Führungspersonen ansetzen?
Wir müssen vor allem unsere Stärken besser verkaufen. Wenn immer weniger Leute in der Armee beteiligt sind, wissen auch immer weniger Leute, was wir machen. Wir haben ein Dienstreglement mit fantastischen Führungsgrundsätzen. Da kommen Zielvereinbarungen, Verantwortung, Disziplin oder Kameradschaft zur Sprache. Diese Grundsätze leben wir von der RS bis zum höchsten Kader.
Welchen Stellenwert hat die Charakterschulung?
Jeder Chef muss ein Vorbild für andere sein. Vorbild hat mit Charakter zu tun. Unsere Vorgesetzten müssen die Werte des Dienstreglements vorleben, Vorbild sein und so andere zum positiven Einsatz motivieren.
Welche Werte sollte eine Führungspersönlichkeit zuerst leben?
Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit.
Kann man solche Werte lernen?
Ja, das geschieht, indem das Dienstreglement gemeinsam erarbeitet wird. Das machen schon die unteren Kader sehr aufwändig mit den modernsten Ausbildungsmethoden. Da werden Grundsätze wie Problemlösungen oder Kommunikation miteinander erarbeitet und trainiert. Zuletzt wird ein Zertifikat in Führungsausbildung abgegeben, das auch im Zivilen anerkannt ist.
Inwiefern erleichtert Ihnen der Glaube an Gott die Führungsaufgabe?
Er gibt mir Gelassenheit. Er schenkt mir immer wieder die Gewissheit, dass ich nicht allein bin. Die Bibel ist für mich ein Lese- und vor allem ein Lebensbuch. Sie beschreibt die unterschiedlichsten Menschen auf eindrückliche Art.
Über biblische Figuren berichte ich im Unterricht oder in meinen Reden immer wieder. Meine Kraft und mein innerer Friede kommen aus meinem Glauben. Ich trage immer ein Kreuz und eine alte Soldatenbibel in meinem Sack. In einem Kampfanzug hat es ja viel Platz!
Von welcher Figur berichten Sie gerne?
Ich habe an der Promotionsfeier für die Generalstabsoffiziere acht Jahre lang den Hauptmann von Kapernaum in den Mittelpunkt gestellt. Seine Begegnung mit Jesus beeindruckt mich sehr. Als Römer, als Besatzer also, setzt er sich bei Jesus für seinen kranken Diener ein. Das ist eine grossartige Haltung!
So soll sich ein Offizier für die Menschen einsetzen. Wenn man die Menschen gerne hat und den Herrgott ins Zentrum stellt, muss man kein «weicher Typ» sein. Konsequenz und Ordnung müssen trotzdem sein. Als Schulkommandant war mein Motto immer «Folgen, aber fröhlich».
Woran erkennen Ihre Untergebenen Ihren Glauben?
Wo ich bin, wird nicht geflucht. Sagt jemand «Gopfverdami», gehe ich hin und frage: «Glauben Sie an Gott?» Meist ist die Person dann verdutzt. Dann sage ich: «Wenn Sie an Gott glauben, dürfen Sie doch nicht sagen, er solle Sie verdammen. Und wenn Sie nicht glauben, hilft Ihnen der Fluch gar nichts.» Das hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen!
Aus solchen Begegnungen ergeben sich oft Gespräche über den Glauben. Bei Promotionsfeiern wählte ich immer ein Gebet aus der Bibel aus. Dann suchte ich vier Kandidaten mit den vier Landessprachen, die das Gebet sprechen konnten. Zum Beten brauche ich keinen Armeeseelsorger.
Wie erleben Sie selber Gottes Führung?
Das erlebe ich jetzt dann seit 57 Jahren! Gott hat einen Plan für mich. Er sorgt für mich. Er hat mich im ganzen Leben geführt. Ich bin im Juli 1952 geboren. Nach fünf Monaten ist meine Mutter durch einen Unfall gestorben. Danach lebte ich Jahre lang bei meiner Grossmutter im Wallis.
Immer wieder kam ich in Situationen, bei denen ich sagen konnte: Der Herrgott hat zu mir geschaut. Meine intensivsten Gotteserlebnisse waren die Geburten unserer beiden Kinder. Ich spüre Gottes Führung Tag für Tag.
Was bedeutet Ihnen das Gebet in Ihrem Alltag?
Ich gebe ihm hohe Priorität. Es gibt mir Kraft und Gelassenheit. Gerne bete ich den 23. Psalm oder den 16. Psalm: «Herr, bei dir finde ich das völlige Glück!» Das Gebet führt mich in die absolute Freiheit. Gott gibt mir innere Freiheit. Darum gehts mir so gut! Mit Paulus sage ich: «Freut euch immerzu! Lasst nicht nach im Beten. Dankt Gott in jeder Lebenslage. Das will Gott von denen, die mit Jesus verbunden sind.» (Die Bibel, 1. Thessalonicher, Kapitel 5, Verse 16-18)
Kommt es vor, dass Ihnen der Glaube zum Hindernis wird?
Das habe ich noch nie erlebt. Es gibt schon Leute, die spotten: «Unser Bischof sagt ...» oder «Du wärst gescheiter Pfarrer geworden.» Doch ich habe wegen meines Glaubens noch nie Nachteile erlebt. Mir hat auch noch niemand ins Gesicht gesagt, man störe sich daran. Ich will ja alles tun, damit es den Menschen gut geht.
Welche Rolle spielt Gott heute in der Armee?
Er schaut dazu, dass unsere Armee nicht zum Ernsteinsatz kommen muss. Ich gebrauche beim Führen immer wieder den Fünfliber. Ich zeige auf den Rand, wo steht: «Dominus providebit ? Gott trägt Sorge». In meinen Vorträgen weise ich auch darauf hin, dass es in unserer Schweizerfahne ein Plus hat, kein Minus. Das gibt mir die Gewissheit: Gott schaut zu uns.
Zur Person
Marcel Fantoni, 57, verheiratet mit Brigitta, zwei erwachsene Kinder, wohnhaft in Dietikon. Zuerst Angestellter im Luftverkehr bei der Swissair. Seit 1980 Berufsoffizier, seit 1997 Brigadier. 1997-2000 Stabschef Feldarmeekorps 4, 2001-2008 Kommandant der Generalstabsschule, seit 1. Januar 2009 Stabschef Operative Schulung mit Sitz in Ittigen. Er ist zuständig für die Schulung auf militärstrategischer und operativer Stufe sowie für die Weiterausbildung der Höheren Stabsoffiziere und liefert Beiträge zur Doktrinentwicklung. Beschäftigt sich in der Freizeit mit der Familie, mit der Bibel und mit Jesus, mit Literatur und Pferderennen. Mitglied im Jockeyclub Schweiz. War Mitglied des Gemeinderats der Stadt Dietikon und Zunftmeister der Stadtzunft Zürich.





